Sie können das Glossar über das Suchfeld oder das Stichwortalphabet durchsuchen.

@ | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle

P

Personenangaben

Um deutlich zu machen, dass eine Gebärde eine Person bezeichnet (und nicht eine Tätigkeit, eine Institution o.ä.), kann dies durch die Gebärde PERSON verdeutlicht werden. Soll also die Person des „Polizisten” (im Unterschied zu der Institution „Polizei”) genannt werden, so wird POLIZEI PERSON mit dem Mundbild „Polizist” gebärdet. Der „Maler” wird durch die Gebärden MALEN PERSON mit dem Mundbild „Maler” benannt usw. Solche Personenangaben werden grundsätzlich als geschlechtsneutral verstanden. Soll zusätzlich spezifiziert werden, dass eine Person ein bestimmtes Geschlecht hat, so wird diese Angabe ergänzt: POLIZEI PERSON Z-person FRAU für „Polizistin”. Eine Gebärde für die Endung „-in” gibt es ebenfalls, diese gilt aber als eher lautsprachlich beeinflusstes Hilfsmittel und wird in der Regel vermieden.


MEIN VATER BERUF GÄRTNER PERSON, MEIN MUTTER RESTAURANT ARBEITEN, MEIN LEBENSPARTNER_IN BERUF LEHRER PERSON.

PLATZ

Während die in Level A1 eingeführte Gebärde PLATZ



die Bedeutung eines örtlichen Platzes trägt, wird für den Platz in einer Rangliste die etwas anders ausgeführte Gebärde PLATZ-Rangliste verwendet.


FRÜHER ICH KIND, SPORT BEREICH ICH OFT ERSTE PLATZ-Rangliste.


PLÖTZLICH

Die Gebärde PLÖTZLICH kann je nach Kontext verschiedene Bedeutungen und Funktionen annehmen, die alle ein Stück weit über „plötzlich“ im engeren Sinn hinausgehen. So bringt sie häufig eine Situation in den Kausalzusammenhang zu einer anderen Situation, im Sinne von „gerade als“, „ausgerechnet als“, „genau zu dem Zeitpunkt als“ oder „immer wenn X passiert, dann Y...“. Im aktuellen Beispiel erfüllt die Gebärde PLÖTZLICH genau dieses Aussageziel: „(Immer) wenn ich früher Schmerzen hatte ...“


FRÜHER ICH PLÖTZLICH SCHMERZEN, MEIN BRUDER GROSS-vertikal OFT AUF-mich TRÖSTEN.

Plural von Richtungsverben

Um bei einem Richtungsverb den Plural anzuzeigen, wird das Verb mehrfach ausgeführt. Damit wird angezeigt, dass das Verb sich auf mehrere Objekte bezieht. Am konkreten Beispiel: Hier werden mehrere Tiere gefüttert, was durch die wiederholte Ausführung der Grundgebärde FÜTTERN angezeigt wird. Gibt es eine genaue Anzahl an wenigen Objekten, so wird die Anzahl der Wiederholungen daran angepasst. Handelt es sich jedoch um mehr als ca. drei oder aber um eine undefinierte Anzahl von Objekten, so wird die Gebärde ungefähr zwei- bis dreimal wiederholt. Hier kommt in der DGS also ein anderer Mechanismus zum Tragen als im Deutschen: Während ein Verb im Deutschen ausschließlich in Bezug auf das Subjekt gebeugt wird und die Anzahl der Objekte dabei keine Rolle spielt („ich füttere viele Tiere“, „ich füttere ein Tier“, „wir füttern viele Tiere“), ist es in der DGS bei den Richtungsverben genau umgekehrt: die Ausführung des Richtungsverbs orientiert sich an den Objekten, nicht am Subjekt: ICH VIELE TIER Z-Tier++ FÜTTERN++, ICH EIN TIER FÜTTERN, WIR VIELE TIER Z-Tier++ FÜTTERN++.


Richtungsverb FÜTTERN

produktive Gebärden (Substitutor, Manipulator)

In der DGS gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, sogenannte „produktive Gebärden” einzusetzen. Dabei handelt es sich um Gebärden, die nicht standardisiert in einem Lexikon zu finden sind. Sie werden vielmehr situativ angepasst an die jeweilige Aussageabsicht in einem bestimmten Kontext. Dabei gibt es aber feststehende Regeln, also einen festen „Werkzeugkasten” an Handformen, Bewegungsmöglichkeiten etc., aus denen eine produktive Gebärde entstehen kann. Eine Form von produktiven Gebärden sind die Substitutor-Handformen, bei denen die Hand für ein Lebewesen, einen Gegenstand oder auch einen Teil davon steht. Im konkreten Fall stellt die flache Hand die Tür dar, die geschlossen wird: ZU-Tür. Hingegen ist die Handform, die das Fenster schließt, ein Beispiel für eine Manipulator-Handform. Bei dieser Art von produktiven Gebärden steht die Hand für sich selbst bzw. für eine bestimmte Handlung, die sie vornimmt. In unserem Beispiel umfasst sie „als Hand” den Fenstergriff: ZU-Fenster.


BITTE TÜR ZU-Tür, FENSTER ZU-Fenster.

Hier siehst Du noch ein Beispiel für produktive Gebärden, genauer eine Manipulator-Gebärde. Auch in diesem Fall stellt die Hand sich selbst dar: Sie dreht den Deckel einer Flasche und öffnet diese. Grammatikalischer Hinweis zur Verneinung: Soll eine Aussage verneint werden, so wird in der Regel zunächst der Aussagesatz geäußert, gefolgt von der Gebärde NEIN und einer verneinenden Gestik/ Mimik am Ende des Satzes.


FLASCHE AUF-Flasche, NEIN-keinesfalls.


Pronomen

Pronomen, auch Fürwörter, werden im Deutschen verwendet, um auf eine bestimmte Person, ein Ding oder ein Sachverhalt zu verweisen: „Willi liebt sein Fahrrad. Es ist rot.” Auch in der Deutschen Gebärdensprache gibt es Pronomen, und sie erfüllen einen wichtigen Zweck: Auf zuvor eingeführte Objekte wie Personen, Dinge oder Orte kann im weiteren Gesprächsverlauf mit der sogenannten Z-Gebärde (Zeigefinger zeigt auf einen bestimmten Punkt im Gebärdenraum) verwiesen werden. Das Objekt der Z-Gebärde muss dann nicht jedes Mal explizit benannt werden. Die Z-Gebärde als Verweis darauf genügt als Rückbezug auf das Objekt. Die Z-Gebärde wird in der Regel ohne Mundbild ausgeführt. In unserem Beispiel wird das Objekt mithilfe der Z-Gebärde zunächst im Gebärdenraum verortet. Bei der nächsten Erwähnung von manimundo genügt dann Z-dort allein (ohne die Gebärde MANIMUNDO).


MANIMUNDO Z-dort ICH GEBÄRDENSPRACHE LERNEN GUT.