Sprachliche, kulturelle und grammatikalische Hinweise
Abschlussbedingungen
Hier findest Du alle sprachlichen, kulturellen und grammatikalischen Hinweise aus den Kursen A1 und A2 zusammengefasst.
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KILOGRAMM, TONNE und LITERBei den Gebärden KILOGRAMM, TONNE und LITER stimmen die manuellen Komponenten, also die Handform, die Handstellung, der Ausführungsort sowie die Bewegung überein. Die drei Gebärden unterscheiden sich lediglich durch das Mundbild. TONNE | ||
KIND und KINDERAnders als in den meisten anderen Fällen werden Singular und Plural des Wortes „Kind” durch komplett unterschiedliche Gebärden gezeigt, die sich nicht nur in der Häufigkeit der Ausführung unterscheiden, sondern u. a. auch in der Handform: Die Vokabel KINDER beschreibt mit der Flachhand mehrere „kleine Menschen”, während durch die Gebärde KIND ein einzelnes Kind durch die I-Handform repräsentiert wird. KIND KINDER | |
Klassifikator CL:Auto-fährt-in-mein-AutoIn diesem Satz siehst Du einen gebärdensprachtypischen Einsatz von Klassifikatoren: Der angesprochene Verkehrsunfall wird visualisiert durch die situative Darstellung des Unfalls mittels bestimmter Handformen und Bewegungen. Dabei stellt in der Gebärde CL:Auto-fährt-in-mein-Auto die zentral vor dem Körper positionierte Hand das eigene Fahrzeug dar, während die sich von der Seite bewegende Hand das andere Fahrzeug verkörpert.
Die sich anschließende Gebärde zeigt dann den konkreten Schaden am Auto. Beide Gebärden sind produktiv; das bedeutet, dass sich Klassifikatoren zwar in Form und Bewegung aus Elementen eines sprachspezifisch vorgegebenen „Baukastens” bedienen, aber in genau dieser Weise nicht in einem Lexikon allgemeiner, konventionalisierter Gebärden nachzuschlagen sind. Sie werden immer spontan an die konkret darzustellende Situation angepasst. GESTERN ICH AUTO-UNFALL, CL:Auto-fährt-in-mein-Auto, CL:Delle. ICH SOFORT POLIZEI ANRUFEN AUCH VERSICHERUNG MELDEN-ihr. GLÜCK ICH VERLETZEN NICHT-VORHANDEN. Geste:erleichtert. | ||
Klassifikatoren (CL) in der DGSKlassifikatoren sind elementarer Bestandteil der DGS. Sie begleiten als zusätzliche Gebärden Verben oder Nomen und ergänzen diese um weitere, über die grundlegende Bedeutung des Verbs oder des Nomens hinausgehende Bedeutungsanteile. So kann ein Klassifikator, welcher ein Nomen begleitet, durch eine bestimmte Handform die Beschaffenheit, Größe oder äußere Form des Objekts beschreiben. In unserem Beispiel wird nach den Gebärden KÄSE und EI jeweils ein Klassifikator gebärdet, der das Aussehen der Käsescheibe bzw. des Eis veranschaulicht.
Es gibt einen großen „Werkzeugkasten” an verschiedenen Klassifikatoren in DGS. Diese Art von Gebärden könnte als „Würze der Gebärdensprache” bezeichnet werden, als eines der Alleinstellungsmerkmale, da hierdurch in besonderer Weise die Möglichkeiten der visuellen Modalität zum Ausdruck kommen. MANN Z-Mann MAG-Kuss BROT KÄSE CL:Käsescheiben EI CL:Eischeiben. | |
KOCHEN-aktiv und KOCHEN-passivDie Gebärde KOCHEN-aktiv, die hier verwendet wird, entspricht in ihrer Bedeutung der durch eine Person vorgenommenen Handlung „kochen”. MORGEN NACHMITTAGS MEIN OMA FISCH SUPPE KOCHEN-aktiv. Daneben gibt es noch eine weitere Gebärde KOCHEN-passiv, welche den Aggregatzustand einer Flüssigkeit beschreibt, also beispielsweise WASSER KOCHEN-passiv
(Das Wasser kocht). Auch wenn sich dahinter
keine aktive Tätigkeit verbirgt, wird die Gebärde KOCHEN-passiv je nach Kontext
aber ebenfalls als Handlungsverb eingesetzt, wie wir im folgenden Beispiel sehen: ICH HUNGER, JETZT ICH KARTOFFEL KOCHEN-passiv. Übersetzt: Ich habe Hunger und koche jetzt Kartoffeln. Hier passt das bildhafte Verb KOCHEN-aktiv mit dem Umrühren
des Kochlöffels nicht zu realen Handlung des Kartoffelkochens (ohne
Kochlöffel/Umrühren), und daher ist in diesem Kontext die Gebärde KOCHEN-passiv
zu verwenden. Was für den Moment kompliziert klingt, wird mit wachsendem Sprachgefühl einfacher und selbstverständlicher: feste grammatikalische Regeln durch kontextbezogene Ausnahmen zu ergänzen. Das macht Sprache lebendig :-) Übrigens: Die zuletzt genannte Gebärde, an der
eigenen Brust ausgeführt und durch eine bestimmte Mundgestik
(aufgeblasene Wangen) begleitet, bedeutet so viel wie „innerlich kochen/
wütend sein”. KOCHEN-passiv | ||
KOLLISIONDie Gebärde KOLLISION kann einerseits im Zusammenhang mit einem Unfall oder einem anderen Zusammenprall zweier Gegenstände verwendet werden. Andererseits wird sie auch figurativ eingesetzt, beispielsweise wenn es um eine Terminkollision geht. Das Mundbild lautet in den meisten Fällen „bamm", bei einem konkreten Unfall auch „Unfall". KOLLISION | ||
Kommunikation in der GebärdensprachgemeinschaftDie Kommunikation innerhalb der Gebärdensprachgemeinschaft ist sehr stark von Direktheit geprägt. Anders als bei Hörenden untereinander tauscht man sich ganz direkt und ohne Zurückhaltung auch über körperliche Eigenschaften aus oder fragt nach Themen oder Inhalten, die im Gespräch unter Hörenden – zumal wenn diese nicht eng befreundet oder familiär verbunden sind – eher als zu intim eingestuft werden würden. Klingt nach Klischee, kann aber tatsächlich häufig beobachtet werden und ist für Neulinge in der Gebärdensprachgemeinschaft sicher manchmal gewöhnungsbedürftig. Da kann es durchaus zu dem einen oder anderen Culture-Clash-Moment im Umgang miteinander kommen. Unser Tipp: Dickes Fell anziehen, der Offenheit eine Chance geben, dann kann diese schnell als wohltuend und befreiend empfunden werden ...
Ein anschauliches Beispiel für die angesprochene Offenheit besteht in den vielen Gebärdennamen, die sich von körperlichen oder charakterlichen Eigenschaften der Person ableiten. So können ein runder Bauch, eine auffallende Nase oder ein aufbrausender Charakter ohne Weiteres dazu führen, dass diese Eigenschaft als Gebärdenname für diese Person auserkoren (und von dieser gerade nicht als beschämend oder stigmatisierend empfunden) wird. | ||
KonditionalsätzeDie typische Satzstruktur eines Konditionalsatzes kann in der DGS ganz einfach über die Mimik angezeigt werden: Der Wenn-Satzteil wird von gehobenen Augenbrauen begleitet (ICH ABENDS DUSCHEN FERTIG), während der Dann-Satzteil eine neutrale Mimik aufweist (ICH AUSRUHEN, FERNSEHEN). Auf diese Weise sind die beiden expliziten Gebärden WENN und DANN überflüssig. Sie werden nur verwendet, wenn eine zusätzliche, besondere Betonung gewünscht wird. ICH ABENDS DUSCHEN FERTIG, ICH AUSRUHEN, FERNSEHEN. | ||
KontrastierungenEin häufig verwendetes Stilmittel der DGS ist es, Aussagen durch sogenannte Kontrastierungen zu verdeutlichen.
Dafür wird nicht nur der gewünschte Aspekt selbst genannt, sondern dieser wird begleitet durch die explizite Verneinung des Gegenteils bzw. der nicht gewünschten Aspekte. So wird in unserem Beispiel in DGS nicht nur die Tür genannt, zu der eine Aussage getroffen werden soll („zweite Tür rechts”). Vielmehr werden explizit andere Türen ausgeschlossen: „nicht die erste Tür rechts, sondern die zweite”.
Auf diese Weise wird gewünschte Information kontrastiert und dadurch verdeutlicht. FLUR ERSTE TÜR-rechts NEIN,
ZWEITE Z-Tür Z-rechts, MEIN ZIMMER. | ||