Sprachliche, kulturelle und grammatikalische Hinweise
Hier findest Du alle sprachlichen, kulturellen und grammatikalischen Hinweise aus den Kursen A1 und A2 zusammengefasst.
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GehörlosenkulturGleich mehrere wichtige Aspekte der sogenannten Gehörlosenkultur werden in diesem Satzbeispiel angesprochen: Gehörlose Menschen definieren ihre Identität zum einen über die gemeinsame Sprache und über Gemeinsamkeiten in der Biografie (beispielsweise in der Schullaufbahn). Eine besonders starke Bindung und Identifizierung entsteht jedoch auch über die als stark bindend empfundene Gemeinschaft mit anderen Gehörlosen sowie über spezielle Anlässe und Veranstaltungen, die innerhalb dieser Gemeinschaft stattfinden. Häufig organisieren sich gehörlose Menschen in örtlichen Gehörlosenvereinen, die wiederum ein Gehörlosenzentrum betreiben, in dem Treffen und Veranstaltungen stattfinden. Letztere umfassen gebärdensprachliche Theateraufführungen, Vorträge, Feiern oder auch eigene Sportveranstaltungen, die von lokalen Turnieren unter gehörlosen Sportmannschaften bis hin zu einer eigenen Olympiade, den sogenannten Deaflympics, reichen.
Wer kulturelle Veranstaltungen in einem Gehörlosenzentrum besucht, sei es eine Sportveranstaltung oder auch ein geselliger Abend, wird schnell feststellen, dass ein sehr vertrauter und solidarischer Umgang miteinander gepflegt wird, was wiederum zu einem großen Teil auf die genannten Faktoren wie Sprache und Gemeinsamkeiten in der Biografie, also ähnliche prägende Erlebnisse in Schullaufbahn und Alltag, zurückzuführen ist. GEHÖRLOS-VEREIN SELBST-Verein SPEZIELL VERANSTALTUNG FÜR-sie GEHÖRLOS. BEISPIEL THEATER, VORTRAG, SPORT. | ||
Geschlecht in PersonenbezeichnungenPersonenbezeichnungen wie LEHRER, INGENIEUR oder KRANKENPFLEGER werden in der DGS in der Regel als geschlechtsneutral verstanden. Es geht also aus der Gebärde selbst nicht hervor, welches Geschlecht die bezeichnete Person hat. Spielt das Geschlecht für das gewünschte Aussageziel eine Rolle, geht es beispielsweise um eine konkrete Lehrerin, so wird in DGS spezifiziert: LEHRER (SELBST) FRAU. Oder im Falle eines männlichen Journalisten: JOURNALIST (SELBST) MANN. Im aktuellen Video ist es von Bedeutung, dass der Krankenpfleger männlich ist, daher hier der entsprechende Hinweis. HEUTE KRANKENPFLEGER MANN SELBST-er HELFEN-mir, GRUND ICH ALLEIN AUFSTEHEN CHANCENLOS. | ||
GESCHLOSSEN und GEÖFFNETDie Gebärden GESCHLOSSEN und GEÖFFNET beziehen sich inhaltlich auf die Öffnungszeiten von Geschäften, Behörden etc. Beide Gebärden können je nach Kontext einen Zustand oder einen Vorgang meinen. So kann GEÖFFNET zum einen bedeuten, dass ein Geschäft gerade „geöffnet ist”, zum anderen aber auch, dass es gerade „öffnet” (im Sinne von „aufmacht”).
Achtung: Das Mundbild weicht bei beiden Gebärden von der Glossenbezeichnung ab: GESCHLOSSEN wird von „zu” begleitet, GEÖFFNET von „auf”. GESCHLOSSEN GEÖFFNET | ||
Gesten in der DGSJe weiter Du in Deinen DGS-Kenntnissen fortschreitest, desto mehr werden auch Deine schauspielerischen Fähigkeiten gefragt sein. So ist es beispielsweise in der DGS üblich, dass bestimmte Inhalte, die Emotionen wie Angst, Unsicherheit, Wut, Freude usw. betreffen, non-verbal ausgedrückt werden, also nicht durch eine explizite Gebärde, sondern durch die Körperhaltung, einen bestimmten Gesichtsausdruck oder, wie in diesem Fall, durch eine kurze Geste. Diese Geste stellt keine konventionelle Gebärde aus dem DGS-Lexikon dar, sondern entspricht eher einer Verhaltensweise, wie sie eine Person an den Tag legen würde, die diese Emotion gerade tatsächlich verspürt, die also ängstlich, unsicher, wütend oder freudig ist.
Niedergeschrieben werden diese Anteile dann auch nicht durch eine feste GLOSSE, sondern in der Form Geste:bestimmte-Emotion, also hier: Geste:unsicher. MEIN ARBEITSPLATZ JETZT SICHER, ABER IN-10-JAHR Geste:unsicher. | |
Glossen IZur Verschriftlichung von Gebärden werden sogenannte Glossen verwendet. Das sind in Großbuchstaben geschriebene Wörter, die in erster Linie dazu dienen, auf einfache Weise einzelne Gebärden und ganze Sätze aufzuschreiben.
Glossen geben in den allermeisten Fällen einen direkten Hinweis auf die inhaltliche Bedeutung einer Gebärde. Sie enthalten jedoch nicht immer alle Informationen darüber, wie eine Gebärde ausgeführt wird. So wird beispielsweise nicht bei jeder Gebärde das Glossen-Wort auch als Mundbild verwendet. Achte daher bei den Videos immer auch auf das Mundbild.
Im Übrigen sind Glossen bislang auch nicht „offiziell“ festgelegt wie in einem Duden der Deutschen Gebärdensprache. Es handelt sich vielmehr um spontane Bezeichnungen, die mehr oder weniger individuell je nach Verwendungszweck vergeben werden. Fühle Dich also frei, Dir eine Gebärde so aufzuschreiben, wie Du sie Dir gut merken kannst. Für die Bearbeitung der Aufgaben und Quiz hier bei manimundo solltest Du aber unsere Bezeichnungen übernehmen, damit unser Lernprogramm Dir sagen kann, ob Du richtig oder falsch liegst ;-) HALLO | |
Glossen IIIn der Regel wird für eine Glosse die Grundform eines Wortes verwendet, also beispielsweise LAUFEN, KATZE, MEIN, LESEN usw. In einzelnen Fällen ist es jedoch hilfreich, eine gebeugte Form für die Niederschrift einer Glosse zu verwenden, vor allem dann, wenn bei einer Gebärde das Mundbild eine besondere Form aufweist. So beispielsweise hier bei der Gebärde KANN, die immer mit dem Mundbild „kann” ausgeführt wird, unabhängig davon ob sie im Zusammenhang mit der Gebärde WIR, DU oder ICH steht. Durch die Schreibweise KANN ist gleich eine kleine Merkhilfe gewährleistet. KANN | ||
Größe eines GegenstandesSoll die Größe eines Gegenstandes gezeigt werden, so kommen dafür verschiedene Handformen und Mundbewegungen zum Einsatz. Die Ausmaße größerer Gegenstände werden in der Regel mit beiden Händen in der Flachhand-Handform gezeigt (GROSS-horizontal, KLEIN-horizontal). Für kleinere Gegenstände werden hingegen Daumen und Zeigefinger verwendet (GROSS-mikro, KLEIN-mikro). Das Anzeigen der Größe kann entweder von dem Mundbild „klein” oder „groß” oder von bestimmten, feststehenden Mundgesten begleitet werden, die adverbialen Charakter haben. Bei großen Maßen wird dann der geschlossene, in die Breite gezogene Mund mit einem leichten Platzen geöffnet, es erscheint das Mundbild „bsss”. Mittelgroße Gegenstände werden von einem leichten Hervorstülpen der Lippen begleitet. Bei kleinen oder sehr kleinen Gegenständen berührt die Zungenspitze deutlich sichtbar mehrmals die Oberlippe. ICH ZUHAUSE DA KÄSE GROSS-mikro. | ||
GRUNDDie Gebärde GRUND wird häufig als Einleitung einer Antwort auf die Frage WARUM gebärdet. Sie wird dann an den Anfang des Satzes gestellt und bedeutet dann „weil”. GRUND | ||