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R

Reihenfolge von Adjektiv und Nomen

Anders als im Deutschen stehen Adjektive in der Regel nach dem Nomen, auf das sie sich beziehen. In unserem Beispiel also AUTO NEU für „neues Auto”.


MORGEN ICH WUNSCH AUTO NEU KAUFEN.

Soll ein Adjektiv jedoch besonders betont werden, so kann es auch vor das Nomen gestellt werden: Die Formulierung VIEL GESCHENK legt in diesem Fall den Schwerpunkt auf den Wunsch der gebärdenden Person, zum Geburtstag „besonders viele Geschenke” zu erhalten.


MEIN GEBURTSTAG ICH WUNSCH VIEL GESCHENK-mir++.

rhetorische Fragen

Häufig werden die Frage-Gebärden, die normalerweise zur Bildung von Ergänzungsfragen dienen, als rhetorische Fragen eingesetzt: WARUM, WAS, WIE etc. In dieser Verwendung stellen sie keine tatsächliche Frage an das Gegenüber dar. Sie haben vielmehr das Ziel, die folgende „Antwort” in ihrer Wirkung zu verstärken. Im vorliegenden Beispiel wird also an den ersten Satzteil die rhetorische Frage WARUM angefügt: ICH ARBEIT VIEL STRESS, WARUM? Darauf folgt dann direkt die Auflösung in Form einer Begründung: MEIN CHEF KRANK. Ins Deutsche übersetzt: „Ich habe viel Stress bei der Arbeit, weil mein Chef krank ist.”


ICH ARBEIT VIEL STRESS, WARUM? MEIN CHEF KRANK.

Richtungsverben I

Im Gegensatz zu einfachen Verben spielt bei den sogenannten Richtungsverben die Richtung, in der die Gebärde ausgeführt wird, eine bedeutungstragende Rolle. Sowohl Ausgangs- als auch Zielpunkt eines Richtungsverbs sind wichtig und werden an die gewünschte Bedeutung angepasst. Beispiel: ICH KOMMEN-dorthin (Ich komme dorthin.) Die Gebärde KOMMEN wird in diesem Fall vor dem Körper der gebärdenden Person begonnen und in Richtung eines Punktes im Raum („dort”) ausgeführt.


DU UNTERRICHT KOMMEN-dorthin WIE?

Richtungsverben II

Auch solche Richtungsverben, die nicht über eine signifikante Bewegung im Raum verfügen, können durch eine Veränderung ihrer Ausführung eine andere Bedeutung annehmen. Bei ihnen wird die Handstellung zusammen mit der Ausführungsrichtung verändert. Die Gebärde BESCHEID-dir wird von der gebärdenden Person in Richtung Gegenüber ausgeführt und bedeutet: „Ich gebe dir Bescheid.” Sie kann aber auch in Richtung des eigenen Körpers ausgeführt werden (dafür tippt sich die gebärdende Person selbst zweimal mit den Fingerspitzen der gleichen Handform an die eigene Brust/ Schulter): BESCHEID-mir. Dann bedeutet sie: „Du gibst mir Bescheid.”


BESCHEID

Richtungsverben III

Hier lernen wir weitere mögliche Ausgestaltungen von Richtungsverben in der DGS kennen. So kann – neben der bereits bekannten Ausführung von der gebärdenden Person zu ihrem direkten Gegenüber – die gebärdende Person auch selbst Zielpunkt eines Richtungsverbs sein, wie in HELFEN-mir. Auch die Einbeziehung von nicht anwesenden Personen als Zielpunkt eines Richtungsverbs ist möglich. Ein Beispiel dafür ist BESUCHEN-sie. Die Gebärde wird in Richtung eines imaginären Ortes im Gebärdenraum ausgeführt, an dem sich die Personen befinden, die besucht werden. In unserem Beispiel befinden sich TANTE und ONKEL an diesem Ort, und die Gebärde BESUCHEN wird mit diesem Ort als Zielpunkt ausgeführt.


MORGEN ICH TANTE ONKEL BESUCHEN-sie.

Rollenübernahme

Eine der wichtigsten stilistischen Besonderheiten der DGS ist die sogenannte Rollenübernahme. Dabei schlüpft die gebärdende Person für einen gewissen Teil ihrer Äußerung – eine einzelne Gebärde, einen Halbsatz oder eine längere Sequenz – in die Rolle einer der Personen, die gerade Thema der gebärdensprachlichen Äußerung sind. Inhalt der Rollenübernahme kann sowohl eine „direkte Rede“ als auch die Verhaltensweise der Person sein. Die bzw. der Agierende innerhalb der Rollenübernahme wird dabei zunächst benannt. In unserem Beispiel wird zunächst die KUH eingeführt, anschließend wird in der Rollenübernahme gezeigt, wie sie ruhig vor sich hin kaut. Danach wird – außerhalb der Rollenübernahme – der BAUER benannt, gefolgt von einer Rollenübernahme, die sein gestresstes Melken zeigt. Abschließend noch einmal die KUH und ihr entspanntes Kauen. Die gebärdende Person schlüpft also abwechselnd in die Rolle bzw. Perspektive der Kuh, des Bauern und von sich selbst als Erzählerin.


KUH CL:kauen-ruhig, BAUER CL:melken-gestresst, KUH CL:kauen-ruhig.