Eine der wichtigsten stilistischen Besonderheiten der DGS ist die sogenannte Rollenübernahme. Dabei schlüpft die gebärdende Person für einen gewissen Teil ihrer Äußerung – eine einzelne Gebärde, einen Halbsatz oder eine längere Sequenz – in die Rolle einer der Personen, die gerade Thema der gebärdensprachlichen Äußerung sind. Inhalt der Rollenübernahme kann sowohl eine „direkte Rede“ als auch die Verhaltensweise der Person sein.
Die bzw. der Agierende innerhalb der Rollenübernahme wird dabei zunächst benannt. In unserem Beispiel wird zunächst die KUH eingeführt, anschließend wird in der Rollenübernahme gezeigt, wie sie ruhig vor sich hin kaut. Danach wird – außerhalb der Rollenübernahme – der BAUER benannt, gefolgt von einer Rollenübernahme, die sein gestresstes Melken zeigt. Abschließend noch einmal die KUH und ihr entspanntes Kauen. Die gebärdende Person schlüpft also abwechselnd in die Rolle bzw. Perspektive der Kuh, des Bauern und von sich selbst als Erzählerin.