Sprachliche, kulturelle und grammatikalische Hinweise
Abschlussbedingungen
Hier findest Du alle sprachlichen, kulturellen und grammatikalischen Hinweise aus den Kursen A1 und A2 zusammengefasst.
Sie können das Glossar über das Suchfeld oder das Stichwortalphabet durchsuchen.
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SCHAUENDie hier verwendete Form von SCHAUEN ist synonym zu der Variante, die in Lektion 28 des A1-Kurses (Lern-o-Meter "i" am Anfang der Lektion) eingeführt wurde. Sie wird bevorzugt im Zusammenhang mit Fernsehen oder allgemein dem Zuschauen bei einem Ereignis (Sport, Theater etc.) verwendet. ICH FUSSBALL SCHAUEN LEIDENSCHAFT. | ||
SCHMUTZIGFür die Bedeutung „schmutzig” gibt es eine weitere Gebärde, die synonym zu dieser hier verwendet wird. Du siehst sie im Dialog („Kannst Du bitte für mich Wasser holen?”) zwischen Tina und Jenny in Lektion 33 des A1-Kurses. SCHMUTZIG | |
SCHNEIDEN-MesserDie Gebärde SCHNEIDEN-Messer unterscheidet sich zunächst grundsätzlich von der Gebärde SCHNEIDEN-Schere.
Sie gehört darüber hinaus zu den Gebärden, die situativ angepasst werden können und müssen. So findet zum einen eine Anpassung an das Objekt, das geschnitten wird, statt: Die passive Hand „hält“ das Objekt, und die Handform verändert sich, wenn eine Knoblauchzehe oder eine Aubergine geschnitten wird. Darüber hinaus wird auch die Schneidebewegung selbst angepasst: Das Schneiden von Scheiben unterscheidet sich in der Bewegung von dem Schneiden von Vierteln, aber auch die Schneidegeschwindigkeit – vorsichtig eine Scheibe abschneiden oder schnell Gemüse klein schnippeln - wird je nach Aussageziel durch die entsprechende Ausführung der Gebärde abgebildet. Zu guter Letzt wird die Handform der aktiven Hand je nach Klinge angepasst: Während eine breite Klinge durch die Flachhand abgebildet wird, kann eine schmalere Klinge durch den Zeigefinger oder eine Kombination aus Zeige- und Mittelfinger gezeigt werden. Also Vorsicht, schneide Dich nicht vor lauter Auswahl!
Diese Art von Gebärden werden übrigens Substitutoren genannt, weil die Hand einen bestimmten Gegenstand „ersetzt“ bzw. „darstellt“. SCHNEIDEN-Messer | ||
Schulbildung gehörloser KinderWeil die Unterrichtssprache an Gehörlosenschulen bis vor wenigen Jahren größtenteils Deutsch war, weil der Fokus dabei auf Schriftsprache und Lippenlesen lag, und weil daher der inhaltliche Unterrichtsstoff oft zweitrangig war und auf der Strecke blieb, ergab sich das weit verbreitete Bild in der Gesellschaft, dass gehörlose Menschen „ungebildet“, „minderbegabt“, „behindert“ seien. Bei näherer Betrachtung wird klar, dass einfach ein sehr fragwürdiger Bildungsansatz gewählt worden war, unter dem die gehörlosen Kinder litten, ohne dass sie eine Wahl hatten.
Heute, wo DGS als Unterrichtssprache langsam gang und gäbe wird und sich die Bildungsangebote für gehörlose Kinder immer weiter ausdifferenzieren, vergrößern sich auch Bildungschancen und mögliche Berufswege zusehends: Gehörlose, die Abitur machen und an den Hochschulen ein Studium ihrer Wahl antreten, das ist mittlerweile (fast) ganz selbstverständlich. Auch immer mehr Berufszweige und -ausbildungen stehen gehörlosen Menschen offen. Während sich früher das Spektrum auf wenige Ausbildungsberufe und Hilfsarbeiten beschränkte, können gehörlose Menschen heute fast alle beruflichen Wege gehen, von sozialen Berufen über das Handwerk bis hin zum Medizinstudium.
Von Chancengleichheit gegenüber hörenden Menschen kann dennoch noch lange nicht die Rede sein: Die freie Schulwahl ist auch in Zeiten von UN-Behindertenrechtskonvention und Inklusion nicht ohne Weiteres gegeben. Eltern gehörloser Kinder rennen häufig nicht gerade offene Türen ein, wenn ihre Kinder mit Unterstützung von Gebärdensprachdolmetscherinnen an Regelschulen unterrichtet werden sollen (abgesehen davon, dass es wohl immer komisch sein muss, den eigenen Schulalltag mit zwei erwachsenen Dolmetscherinnen im Schlepptau bestreiten zu müssen …). Und Gehörlose in der Berufsbildung, sei es an der Uni oder an der Berufsschule und auch im Ausbildungsbetrieb, müssen viel zusätzliche Bürokratie, Dolmetscher-Organisation und Aufklärungsarbeit bei Lehrkräften, KollegInnen und Vorgesetzten leisten, um den von ihnen gewählten Bildungsweg absolvieren zu können. | ||
Schulunterricht für gehörlose KinderDie Unterrichtssprache in Schulklassen mit gehörlosen Kindern ist heutzutage immer häufiger die DGS, manchmal auch LBG, in Ausnahmefällen auch noch Deutsch (Deutsch als Unterrichtsfach gibt es selbstverständlich immer). Das war nicht immer so: Noch vor wenigen Jahren gab es eine sehr große Fraktion in der Gehörlosenpädagogik, die sich gegen die DGS als Unterrichtssprache aussprach und darauf pochte, dass jeglicher Unterricht in deutscher Lautsprache stattfand. Dass es durch die damit einhergehenden Verständnisschwierigkeiten zu einem erheblichen Verlust an Informationsfluss kam und somit Unterrichtsinhalte oft auf der Strecke blieben, wurde billigend in Kauf genommen. Wichtiger war, dass die Sprache der Mehrheitsgesellschaft verwendet und erlernt wurde. Die Gebärdensprache hatte einen schweren Stand, war als Faktor der Ausgrenzung aus der Gesellschaft verpönt.
Erst in den letzten Jahren verändert sich dieses Bild nach und nach, es gibt immer mehr Lehrkräfte, die die DGS beherrschen (auch immer mehr gehörlose Lehrkräfte), und es setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass Deutsch als Zweitsprache viel besser zu lernen ist, wenn es auf die solide Basis der DGS als Erstsprache aufbauen kann.
Schulklassen mit gehörlosen Kindern sind in der Regel deutlich kleiner als diejenigen an Regelschulen. Ganz typisch ist der Aufbau der Tische in einer U-Form, sodass alle Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkraft einander gut sehen können. | ||
SCHWER und LEICHTDie beiden Gebärden SCHWER und LEICHT beziehen sich ausschließlich auf Gewichtsangaben, nicht auf Schwierigkeitsgrade. SCHWER LEICHT | ||
SCHWESTER und BRUDERDie Gebärden SCHWESTER und BRUDER sind in der Ausführung identisch. Sie unterscheiden sich lediglich durch das Mundbild. Für „Geschwister” wird BRUDER, SCHWESTER gebärdet. SCHWESTER BRUDER | ||
SCHWIEGER-ELTERNDie Teilgebärde SCHWIEGER- aus der Gebärdenkombination SCHWIEGER-ELTERN kann auch mit MUTTER oder VATER für SCHWIEGER-MUTTER bzw. SCHWIEGER-VATER kombiniert werden. Es ist im Übrigen die gleiche Gebärde wie SCHWAGER. Vermutlich ist diese Teilgebärde etymologisch aus der identischen Gebärde ERBEN entstanden, und das ist ja auch nur logisch: Die Verwandtschaft der Ehefrau bzw. des Ehemanns wird ja gewissermaßen mit-geheiratet, also geerbt. Da liegt dann dankenswerterweise auch der Schluss nicht mehr fern, dass man für die Verwandtschaft ja nichts könne ;-) SCHWIEGER-ELTERN | ||
SELBSTDie Gebärde SELBST hat in der DGS meist die Funktion eines zusätzlichen Hinweises auf eine soeben genannte Person. In manchen Fällen wird SELBST außerdem als Verb mit der Bedeutung „sein” verwendet: In unserem Beispiel wird zunächst die Person genannt (MEIN ONKEL), gefolgt von der Gebärde SELBST. Anschließend erfolgt eine Information über diese Person: BERUF TECHNIK PERSON. Der Satz bedeutet so viel wie: „Mein Onkel ist von Beruf Techniker.” MEIN ONKEL SELBST-Onkel BERUF TECHNIK PERSON. | ||