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L

Lautsprachbegleitende Gebärden

Wie der Name schon verrät, handelt es sich bei Lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) nicht um eine eigenständige Sprache, sondern um ein Hilfsmittel zur Sicherung der Kommunikation in Lautsprache. Jedes lautsprachlich gesprochene Wort wird von einer eigenen Gebärde begleitet, die Grammatik folgt dabei ausschließlich der Lautsprache, wie sie gesprochen wird. Für Wörter, für die es keine DGS-Gebärde im eigentlichen Sinne gibt, wie zum Beispiel das Verb „sein“ mit seinen Unterformen, werden Hilfsgebärden eingesetzt. Es gibt auch Formen, bei denen nicht exakt jedes Wort, sondern nur Signalwörter von einer Gebärde begleitet werden. Dabei handelt es sich um Lautsprachunterstützende Gebärden (LUG). Die gewählte Form hängt immer von der einzelnen Person und ihren Kommunikationsbedürfnissen ab. Nutzende dieser Kommunikationsformen sind in erster Linie schwerhörige oder spätertaubte Menschen, deren erste Sprache die Lautsprache ist. Ihnen sind Wortschatz und Grammatik der Lautsprache vertraut, und sie benötigen „lediglich“ eine Hilfestellung zum Verständnis des Gesprochenen. Für diese Gruppe ist die DGS ebenso eine Fremdsprache wie für alle anderen lautsprachlich orientierten Menschen, sodass zur Sicherung ihrer Kommunikation eben eine Form der LBG oder LUG passender ist.


LBG

LEBENSPARTNER_IN

Die Gebärde wird mit dem Mundbild „sch” ausgeführt, und zwar unabhängig davon, ob es sich bei der Person, auf die sich die Gebärde bezieht, um einen Mann oder eine Frau handelt, und auch unabhängig davon, ob beide verheiratet sind oder nicht.


LEBENSPARTNER_IN

LEERZEICHEN

Um bei der Verwendung des Fingeralphabets zu verdeutlichen, dass zwei getrennte Wörter nacheinander buchstabiert werden, kann die Gebärde LEERZEICHEN zwischen beide Wörter gesetzt werden. Dies ist beispielsweise bei der Buchstabierung von Vor- und Nachnamen hilfreich.


ICH VORSPEISE NICHT-VORHANDEN. NUR NACHTISCH P-A-NN-A LEERZEICHEN C-O-TT-A.

LETZTE und LETZTE-zeitlich

Die hier im oberen Video gezeigte Gebärde LETZTE-zeitlich hat eine andere Bedeutung als die im unteren Video gezeigte Gebärde LETZTE. Während sich diese inhaltlich auf die letzte Stelle in einer Reihenfolge bezieht – also beispielsweise auf die letztplatzierte Person in einer Rangliste oder auf den letzten Schultag eines Schuljahres – ist die Gebärde LETZTE-zeitlich immer chronologisch auf die Gegenwart bezogen, also LETZTE-zeitlich WOCHE im Sinne von „die Woche vor der aktuellen Woche“, entsprechend LETZTE-zeitlich JAHR usw.


LETZTE-zeitlich WOCHE ICH KÖLN UMZIEHEN.



LETZTE (im Sinne von „letzte Stelle“)

Lippenlesen

Das Lippenlesen, auch Ablesen genannt, ist für die meisten gehörlosen Menschen ein zentrales Kommunikationsmittel, auf das sie in ihrem Alltag angewiesen sind. In der Regel können die wenigsten hörenden Menschen in ihrer Umgebung – sei es bei der Arbeit oder in der Familie – gebärden. Und auch Gebärdensprachdolmetscher sind bei weitem nicht immer zur Hand: selbst sensible Termine wie ein Arztbesuch oder ein Elternabend müssen häufig „auf eigene Faust“ bewältigt werden. Und selbst wenn auf gute Bedingungen für das Lippenlesen geachtet wird, wie gute Lichtverhältnisse, deutliches, aber natürliches Mundbild, Klärung des Gesprächsthemas, stellt es selbst für geübte AbleserInnen eine Herausforderung dar, alle Inhalte zu verstehen. Nur 30% der Buchstaben und Buchstaben-Kombinationen sind im Mundbild eindeutig unterscheidbar, so dass der Großteil des Verständnisses von Erfahrung, Kontext und Kombinationsfähigkeit abhängt. Beispiel: Das Mundbild von „Mutter“ ist identisch mit dem von „Butter“. Ohne Ton sehen also beide Wörter genau gleich aus. Was hier vielleicht noch ein Schmunzeln auslöst, stellt gerade bei schwierigeren Themen oft ein Problem dar. Stell Dir vor, bei einem wichtigen Gespräch mit dem Vorgesetzten oder bei einem Arzttermin wärst Du vor diesem Hintergrund auf das Lippenlesen und den Kooperationswillen Deines Gegenübers angewiesen ...


LOHN

Wird die manuelle Komponente der Gebärde LOHN mit dem Mundbild „Gehalt“ verbunden, so lässt sich die entsprechende Bedeutung in Gebärdensprache ausdrücken.


LOHN

LUSTLOS

Die DGS verfügt über eine große Bandbreite an idiomatischen Redewendungen. Dabei handelt es sich um spezielle, feststehende Ausdrücke, die häufig aus einer einzelnen Gebärde bestehen und nicht 1:1 ins Deutsche übersetzbar sind. Somit ist die hier für ein solches Idiom verwendete Glossenbezeichnung mit Vorsicht zu genießen, kann sie in ihrer Kürze doch immer nur einen Ausschnitt der tatsächlichen Bedeutung der Gebärde widerspiegeln. Wie beispielhaft an der Gebärde LUSTLOS zu sehen, besitzen Idiome in der DGS jeweils eine feste Mundgestik, welche zwar zur semantischen Bedeutung beiträgt, jedoch nicht im Zusammenhang steht mit der entsprechenden Bedeutung aus der deutschen Lautsprache. Die Mundgestik in diesem Fall lässt sich mit „leff” verschriftlichen. LUSTLOS bedeutet so viel wie „überhaupt keine Lust haben”, „null Bock haben”.


LUSTLOS