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Z

Z-Gebärde

Die Z-Gebärde wird in vielen Fällen auch als konventionelle, also feststehende Gebärde mit eigener Bedeutung verwendet. Gerade im Bereich der Körperteile ist dies häufig der Fall: AUGE, OHR, NASE usw. werden mit der Z-Gebärde auf den jeweiligen Körperteil gebildet.


AUGE

Zahlen über 100

Grundsätzlich kannst Du Dir merken, dass Zahlen in der DGS in der gleichen Reihenfolge gebildet werden wie im Deutschen: 153 wird im Deutschen „einhundertdreiundfünzig” ausgesprochen und in der DGS EIN-HUNDERT DREI FÜNFZIG gebärdet, während es beispielsweise im Englischen “one hundred fifty-three” („einhundertfünfzigdrei”) heißt. In der DGS wird also zunächst die Hunderterzahl genannt, anschließend die Einerzahl gefolgt von der Zehnerzahl. Die Zahlen 200, 300 usw. werden mit der gleichen Handbewegung wie bei der 100, aber mit der jeweils angepassten Handform wie in 2, 3 usw. gebildet. Die Zahlen ab 600 werden wie in 6, 7 usw. zweihändig gebärdet, wobei wie gewohnt die volle Fünferhand auf die nicht-dominante Seite wechselt.


100, 101, 105, 110, 1000


Zeitangaben

Zeitangaben in der DGS beziehen sich auf eine imaginäre Zeitlinie. Eine mögliche Zeitlinie liegt horizontal zu der gebärdenden Person: Die Vergangenheit ist im Raum hinter der Person verortet, während die Zukunft vor ihr liegt. Die Gebärde DEMNÄCHST bewegt sich dementsprechend von der gebärdenden Person weg nach vorn, die Gebärde KÜRZLICH nach hinten.


SAMSTAG DEMNÄCHST, ICH DEIN ONKEL TREFFEN.

Im Spezial zum Thema Zeitangaben im Level A1 kannst Du genau nachlesen und anschauen, wie Zeitangaben, die sich auf die Zukunft beziehen, in Richtung einer horizontalen Linie vor dem Körper gebildet werden, während Zeitangaben, die sich auf die Vergangenheit beziehen, sich auf dieser Linie nach hinter dem Körper richten. Der Körper selbst markiert auf dieser virtuellen Linie die Gegenwart.


ICH VOR-2-JAHR AUFGABE GEBEN-mir, FAMILIE BERATUNG.


zusammengesetzte Gebärden

Neben den einzelnen Gebärden gibt es in der DGS auch sehr viele zusammengesetzte Gebärden, analog zu zusammengesetzten Wörtern im Deutschen. Ein Beispiel bilden die verschiedenen Zimmer eines Hauses wie WOHN-ZIMMER oder SCHLAF-ZIMMER. Dabei werden die einzelnen Gebärden direkt nacheinander „in einem Fluss” gebärdet, begleitet von dem zusammengesetzten Mundbild.


MEIN HAUS WIE-SIEHT-AUS? TÜR TÜR-auf Z-vorne Z-links WOHN-ZIMMER Z-rechts KÜCHE. UNTEN Z-links SPORT, Z-rechts WASCHEN. OBEN Z-links SCHLAF-ZIMMER, Z-rechts BAD.

Manche dieser zusammengesetzten Gebärden verändern sich im allgemeinen Sprachgebrauch dahingehend, dass sie zu einer einzigen Bewegung verschmelzen, wie in GEBÄRDENSPRACHE, einer Gebärde, die ursprünglich aus den beiden Gebärden GEBÄRDE und SPRACHE gebildet wurde.

Zwangssterilisation gehörloser Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus

Einen beklemmenden und äußerst erschreckenden Aspekt der Geschichte der Gehörlosengemeinschaft in Deutschland stellt die zigtausendfache erzwungene Sterilisation gehörloser Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus dar. Auf Basis der Einschätzung, es handele sich um eine Erbkrankheit, wurde Gehörlosigkeit zusammen mit weiteren Behinderungen oder Krankheiten wie Alkoholismus oder geistiger Behinderung als Begründung herangezogen, betroffene Menschen einem entsprechenden Eingriff zu unterziehen. Während es schon in den 1920er Jahren Bestrebungen gab, Zwangssterilisationen per Gesetz anzuordnen, wurde dies 1934, also in der Zeit des Nationalsozialismus tatsächlich umgesetzt. Schätzungen zufolge wurden ca. 15.000 gehörlose Menschen Opfer von Zwangssterilisation. Willige Helfer beim Auffinden ihrer Opfer fanden die Nationalsozialisten an den Taubstummenschulen, die mit dem Erbgesundheitsamt zusammenarbeiteten und ihre Schülerlisten preisgeben mussten, aber auch unter Ärzten, die ihre PatientInnen verrieten. Moralisch untermauert wurden die Zwangssterilisationen u. a. aus dem Gehörlosenverband und aus den Kirchen heraus, welche die Notwendigkeit der Maßnahmen mit der Weiterentwicklung Deutschlands begründeten und sie euphemistisch als Beitrag der Gehörlosen zu einer Gesundung des deutschen Volkes verkleideten und verharmlosten (weitere Informationen zu dem Thema beispielsweise auf Taubwissen).