Verortung eines Ortes

Verortung eines Ortes

by Jennifer Rausch -
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Hallo, ich habe eine Frage zur Verortung von Orten:

In einem Beispiel wird 

I"ch wohne in Berlin, früher habe ich in der Nähe von Dresden gewohnt." ohne Z-dort gebärdet.

Beim Beispiel: "Ich wohne in Hamburg, meine Familie in Dresden" werden die Orte jeweils mit Z-dort verortet.

Ich bin immer unsicher wann ich das Z-dort benötige und wann nicht.

Ähnlich ist es auch bei Personen, ob ich z.B. Z-Frau benötige oder nicht.




In reply to Jennifer Rausch

Re: Verortung eines Ortes

by Support manimundo -
Hallo Jenny,

danke für Deinen Beitrag. Mein Kollege Jochen hat zu Deiner Frage einen hilfreichen Beitrag verfasst, den ich Dir nicht vorenthalten möchte:

Die Z-Gebärde kann mehrere Funktionen haben:
1. Ein Ort oder auch eine Person, Firma, Gegenstand etc. kann zunächst genannt und mit der Z-Gebärde im Gebärdenraum verortet werden. Im weiteren Gespräch genügt es dann, mit der Z-Gebärde auf den verorteten Punkt zu zeigen, ohne erneut das verortete Objekt explizit nennen zu müssen. Das wäre dann eine Verwendung als Pronomen (Z-er, Z-sie, Z-Gegenstand, Z-Firma ...)
2. Es kann mit Hilfe der Z-Gebärde auch aus einer unbestimmten Menge ein bestimmtes Item "hervorgehoben" werden. Also FRAU PERSON++, Z-diese -> "genau diese eine bestimmte Frau". Hier wird die Gebärde von einer bestimmten Mimik / Mundgestik begleitet, so ähnlich wie "sss"
3. Bei der Verortung von Städten/Orten geht es zunächst in DGS oft um die Unterscheidung zwischen "hier" und "dort". Ganz typischerweise wird eine Ortsgebärde auf diese Weise begleitet: Wenn ich irgendwo in Deutschland einen Vergleich anstelle zwischen Deutschland und einem anderen Land, werden sehr oft die genannten Orte entsprechend lokalisiert: DEUTSCHLAND Z-hier WINTER KALT, SPANIEN Z-dort WINTER WARM. Gleiches gilt dann auch für Orte innerhalb Deutschlands oder auch benachbarte Orte - es wird sehr häufig spezifiert, was "hier" und was "dort" ist (auch wenn es eigentlich auf der Hand liegt, aber das ist einfach eine sprachlich-kulturelle Konvention).
4. Gerade Orte, aber auch Personen werden oft aus einem der genannten Gründe durch die Z-Gebärde begleitet, oft auch aus einer Mischung aus den genannten Gründen. Es geht aber auch ohne - es ist nicht grammatikalisch falsch, die Z-Gebärde in diesem oder jenem Satz wegzulassen, es gibt da keine klare Regel, die das in "immer richtig" oder "immer falsch" einteilt. Es hat auch viel mit Sprachgefühl zu tun. Das ist für anfänglich Lernende oft unbefriedigend und kann anhand von Lernvideos auch nicht umfassend vermittelt werden. Man bekommt ein Gespür dafür, je mehr man im Alltag auf Gebärdensprachnutzer*innen trifft und dort lebendige DGS kennenlernt. Im eigenen Sprachgebrauch ist anders herum (und vielleicht beruhigenderweise) die Z-Gebärde nichts, was man zwingend hundertprozentig beherrschen muss, bevor man tiefer einsteigt.
Der richtige Umgang damit kommt mit der Zeit.

Das wird Dir sicher weiterhelfen.

Beste Grüße
Pia
manimundo Support-Team
In reply to Support manimundo

Re: Verortung eines Ortes

by Sven Taszies -
Danke für diese super Antwort!
Vielleicht könntet Ihr die Erklärung in die Hinweise aufnehmen,

vielleicht auch gesplittet nach Schwierigkeitsgrad oder in den nächsten Level. Es wäre einfach zu schade, wenn diese Erklärung nur im Forum schlummert.

Ich habe 1999 einen Präsenzkurs besucht und folgende Erfahrung gemacht. Der Index wurde (falls er die Verständlichkeit nicht beeinträchtigte) zwar akzeptiert, aber war nie notwendig. Er war dort bis zu seiner Einführung in den Grundstufenkursen unerwünscht, weil die Übungen so ausgerichtet waren andere typisch gebärdensprachliche Konzepte zurückzugreifen und da wahr der index wohl störend. Und um ehrlich zu sein mit Index haben die meisten von uns ziemlich unverständlich gebärdet. Später in der Mittelstufe war indizieren OK. Aber es gab nur eine Schnelleinführung, die entsprach dann ungefähr eher einer Demonstration der Erklärung von Jochen. Leider ist bei mir davon so gut wie nichts übrig geblieben, aber es hat offensichtlich dafür gereicht bei sparsamem Einsatz nach Belieben kaum Korrekturen zu bekommen. Also danke für die erneute Sensibilisierung auf die wesentlichen Punkte.

Vielleicht habt ihr ja trotz allem Lust irgendwo ein kleines Special mit einigen Beispiele zum Thema zu machen.