Liebe Linda, lieber Sven,
vielen Dank für Euren Beitrag. Entschuldigt bitte, dass es mit der Antwort ein wenig gedauert hat. Eure Vorschläge, die Richtungsverben in unserem Programm deutlicher zu kennzeichnen und/oder eine Liste zu erstellen, finden wir sehr hilfreich, und wir nehmen das gerne auf die Liste dessen, was wir in Zukunft umsetzten möchten. Einen konkreten Zeitpunkt für die Umsetzung können wir allerdings nicht nennen. Höchste Priorität hat derzeit die Produktion des B1-Levels.
Ein kleiner Tipp: Wenn Ihr in unserer Hinweise-Sammlung den Begriff „Richtungsverben“ eingebt, werden Euch alle Hinweise aus unseren Kursleveln A1 und A2 zu diesem Thema angezeigt. Da diese Texte immer Bezug auf neu eingeführte Richtungsverben nehmen, kann das eine hilfreiche Orientierung für Euch sein.
Noch ein paar Worte zur inhaltlichen Orientierung: In der Gebärdensprachlinguistik wird zwischen bi- und monodirektionalen Richtungsverben unterschieden.
Bei bidirektionalen Richtungsverben kann, je nach Bedeutung, die Bewegungsrichtung verändert werden. Start- und Zielpunkt der Gebärde lassen sich also umdrehen, wie zum Beispiel bei der Gebärde HELFEN. Diese wird so angepasst, dass der Startpunkt der Gebärde beim Subjekt liegt, der Zielpunkt beim Objekt. Wenn ich die Gebärde also konkret von meiner Brust aus starten und bei einer im Gebärdenraum verorteten Person enden lasse, HELFEN-ihr, dann bedeutet das: „Ich helfe ihr“. Dazu muss ich dann gar nicht mehr explizit ICH als Subjekt und PERSON als Objekt nennen. Die Richtungsgebärde selbst enthält all diese Informationen bereits.
Bei den folgenden bidirektionalen Richtungsverben liegt der Startpunkt der Bewegung beim Subjekt und der Endpunkt beim Objekt: HELFEN, BESUCHEN, MAILEN, ANRUFEN, ANTWORTEN, FRAGEN, GEBEN, SCHENKEN, SCHICKEN, UNTERSTÜTZEN und INFORMIEREN.
Während bei den oben genannten Verben, die Verbindung zwischen Subjekt und Objekt, durch die Pfadbewegung beschrieben wird, gibt es auch Richtungsverben, bei denen die Orientierung der Handfläche oder der Fingerspitzen den Bezug zwischen Subjekt und Objekt bestimmen. Das ist zum Beispiel bei der Gebärde BESCHEID, SCHIMPFEN, ERKLÄREN, und PFLEGEN der Fall.
Die monodirektionale Richtungsverben haben ihre Ausführungsstelle oft am Körper, sodass der Startpunkt der Gebärde nicht verändert werden kann. Bei diesen Gebärden lässt sich nur das Objekt, also der Endpunkt der Gebärde, verändern. Durch die Hilfe eines Pronomens kann ein anderes Subjekt als die 1. Person Singular angezeigt werden. Zu diesen Gebärden gehören zum Beispiel HASSEN und VERTRAUEN. Wobei die Gebärdensprache sich wie alle anderen Sprachen auch weiterentwickelt und es auch schon vereinzelt zu beobachten ist, dass jemand VERTRAUEN mit dem Startpunkt des Gegenübers und dem Endpunkt bei der gebärdenden Person gebärdet, was dann eben „Du vertraust mir“ bedeutet.
Wir hoffen, dass wir Euch einen detaillierteren Einblick in das Thema Richtungsverben geben konnten. Im Text findet Ihr jetzt auch schon einige Richtungsverben mit denen Ihr üben könnt. Viel Spaß dabei!
Beste Grüße
Pia u. Jochen
manimundo Support-Team