Hallo zusammen,
es ist mal an der Zeit sich vorzustellen. Ich lerne seit Ende Januar 2019 bei Manimundo. Also fast so lange, wie es Manimundo gibt. Besonders mag ich die dortigen e-teacher Stunden.
Ich bin noch keine 60 Jahre alt und habe früher viel Zeit als Übungsleiter oder auf dem Wasser verbracht.
Ich musste vor ewigen Zeiten ein schlechtlaufendes Elektrotechnikstudium und ein gutlaufendes Englisch Studium aus Kostengründen abbrechen und habe dann in ein bezahltes Studium der Verwaltung gewechselt, wo ich das Telefonbuch auswendig lernen musste. Und war seither beim Technischen Hilfswerk tätig, zuletzt für Ausbildung/Ehrenamt.
Vor Gebärdensprache war auch Japan / Japanisch mein Hobby, was aber aus technischen Gründen und wegen Corona von DGS abgelöst wurde. Also bitte nicht wundern, wenn veraltetes Studienwissen, Linguistik oder Japan mal irgendwo zu erkennen ist.
Wer möchte kann unten lesen, wie ich zur Gebärdensprache kam, warum eine Schwester überhaupt nicht gut auf Gebärdensprache zu sprechen ist und wie es sich mit der Lieblingsgebärde verhält. Die Geschichte ist schon ziemlich alt. Und stammt so aus der Zeit, wo LBG langsam von DGS abgelöst wurde. Die Geschichte ist schon stark gekürzt und trotzdem zu lang, ist aber vielleicht ganz nett zu lesen.
DGS habe ich sehr, sehr viele Jahre später angefangen. Warum kann ich auch nicht mehr so genau sagen. Das übliche Drama. Bücher und DVDs gibt es nur wenige. Anfängerkurse haben keine freien Plätze, die Wartezeit zwischen Kursen ist zu lange, Fortführende Kurse kommen nicht zu Stande. Man nimmt eben, was man bekommt. Zum Glück gab es dann irgendwann Manimundo.
LG Sven
Ob ich eine Lieblingsgebärde habe, kann ich nicht sagen. Aber eine ganz besondere Bedeutung hat die Gebärde FRAGE. - Es ist völlig OK zu sagen, wenn man seine Ruhe haben möchte. Aber man versaut einem nicht unangekündigt einen Urlaubstag mit Langeweile, wenn sonst niemand da ist. Wenn ich es vorher gewusst hätte, das das Hörgerät nicht angezogen wird, hätte ich etwas anderes gemacht. Aber bitte nicht einfach umdrehen und gehen. Das war schlimmer als Telefonhörer einhängen. Mein Blutdruck hat getobt. - Aber plötzlich hatte ich die Lösung. Und ich habe mir gesagt, auch wenn ich keine einzige Gebärde für einen Folgesatz kenne und du dich vielleicht wieder umdrehst, diesen Satz wirst du verstehen. Das geht auch ohne Gebärden.
Die Gebärden für HÖRGERÄT, WAS bzw. WO kannte ich nicht, aber wenn man einmal nachdenkt. Einen fragenden sauren Blick dazu. - Da muss sich aber jemand erwischt gefühlt haben und ich hatte völlige Verwirrung ausgelöst: „ich wollte ein Buch lesen, aber ich habe keine Lust dazu“
Aber ich hatte zusätzlich die Gebärde für FRAGE benutzt. Das hat dann die nächste Verwirrung ausgelöst.
„Guter Vorschllag, wir lernen Gebärden.“
Wie sollte ich denn ohne etwas zu sagen Vorschläge machen
Die Gebärde FRAGE, von der ich noch nicht einmal sagen kann warum ich sie konnte, war die Eintrittskarte in die Welt der Gebärden!
Ich habe nur einen einzigen Tag LBG gezeigt bekommen. Danach nie wieder. Und weil hochgradig Schwerhörige im Wasser nichts hören, hatte ich dann einige Tage später die Aufgabe mich verständlich zu machen. Gezeigt wurde nichts mehr, wiederholt auch nichts und die Hälfte war vergessen. Das konnte ich noch mit Gebärden erfragen, gab es aber nicht. Danach reichten die Gebärden nicht mehr. Noch viel schlimmer ich sollte mich doch gefälligst über Studieninhalte unterhalten. Dreißig Minuten lang war jegliche Verständigung unmöglich. Aber was so ein Gehirn über Nacht ausbrüten kann ist unglaublich. Für das ausgebrütete gibt es sogar grammatikalische Fachbegriffe. Es glaubt mir sowieso keiner. Aber was danach passierte war unbezahlbar. Nach dreißig weiteren Minuten lief es, Studienfächer, Bauteile, Rechenverfahren, Praktika … Nein, ich bin nicht sonderlich Sprachbegabt, möchte nicht angeben, aber es ging eben mit einer Handvoll unglaublich gut ausgewählter Gebärden, Absprachen, Fragetechnik, Vereinfachungen, Ablesen, Erfindungsgabe, viel Zeit, Tricks… die haben es zumindest für uns möglich gemacht uns einigermaßen zu Unterhalten, wenn es nicht anders ging.
Es wurde langsam und mit deutlichem Mundbild gesprochen. Da auch schon eine geringe Geräuschkulisse die Kommunikation stark beeinträchtigen konnte, wurden dann Anfangsbuchstaben bei Nachfragen hinzugenommen. Aber beim gebärden wurde nicht buchstabiert weil es den Redefluss behindert hat und auch zu langsam war.
Ein richtig schönes Gefühl nicht mehr von Lautstärke oder Technik abhängig zu sein.
Die Kommunikation war sicher nicht die beste, aber gut genug, dass es einige Tage später im Auto mächtig Ärger gab. Wenn man im fahrenden Auto auch mit Hörgerät nichts hört und aus dem Fenster sehen muss, hasst man es wenn andere Ihren Spaß haben. Doch plötzlich wurde der Zündschlüssel umgedreht. Und es gab einen Rollenwechsel. Für meine Schwester, die ja mit dem Umdrehen des Zündschlüssels aus dem Gespräch geflogen ist, war dieser Rollenwechsel zu heftig. Sie war stummgeschaltet, wie mit einer Fernbedienung. Statt des Gespräches, auf dass sie sich so gefreut hatte, durfte sie zwei Stunden zusehen, wie wir unseren Spass mit Gebärden hatten. Trotz sofortiger Bemühungen um gleichberechtigte Kommunikation war es zu spät. Sie hat Tage lang nicht mit uns gesprochen.
Leider war der Urlaub auch kurze Zeit später zu Ende und Gebärden damit auch. Wie gesagt, es war nur ein Tag. Die Gebärden von damals habe ich aber nie vergessen. Und auch die Faszination ist geblieben.