Entscheidungsfragen vs. Ergänzungsfragen

Re: Entscheidungsfragen vs. Ergänzungsfragen

от Pia Maria Löbbert -
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Hallo Sven,

vielen Dank für Deinen Beitrag.
Grundsätzlich gilt, wie Du richtig in unserer Hinweisesammlung gefunden hast, dass bei Entscheidungsfragen (Ja/Nein-Fragen) typischerweise die Augenbrauen hochgezogen sind. W-Fragen (dazugehören natürlich auch Fragen mit den Frageworten WANN, WO, WIE-GROß) werden hingegen von zusammengezogenen Augenbrauen begleitet.

Ich kann verstehen, dass Dich da die begleitende Mimik im Wörterbuch bei den Glossen WO und WANN irritiert hat. Wenn Du Dir allerdings andere Vokabelvideos ansiehst, die Tina aufgenommen hat, dann wirst Du erkennen, dass sie diese Mimik in den Vokabelvideos meistens verwendet. Auch zum Beispiel bei DIENSTAG, GELB oder KUCHEN. Die Mimik in den Vokabelvideos hat also keine grammatikalische Bedeutung. Das gilt auch für die Vokabelvideos zu WANN, WO usw, Sie stehen hier noch nicht in Verbindung mit einem Fragesatz.

An dieser Stelle wäre es also hilfreich, Dir gezielt W-Fragesätze in unserem Programm anzuschauen und dort auf die Mimik zu achten.
Hier habe ich eine W-Frage rausgesucht, bei der man die zusammengezogenen Augenbrauen deutlich sieht: https://videos.manimundo.de/fullversion/A2/JetztDuIIa/A2_UE81.mp4

Du wirst jedoch auch Videos finden, in denen die Mimik eher neutral ist oder die Augenbrauen nur ganz leicht nach unten gehen. Wie die Mimik genau ausfällt, ist auch abhängig vom Kontext der Frage.
Und vermutlich wirst Du draußen im "echten Leben" auch mal ganz abweichende Mimikausführungen beobachten bzw. anders herum auch nicht korrigiert werden, wie Du geschrieben hast. Mit wachsender Übung wächst ein natürliches Sprachgefühl, und die Regeln aus dem Lehrbuch treten in den Hintergrund. Vergleichbar mit dem Englisch-Wissen aus der Schule, das zunächst sehr hilfreich und notwendig ist, um überhaupt eine Basis in der Fremdsprache aufzubauen, das aber später in der direkten Berührung mit Erstsprachler*innen doch kaum wiederzuerkennen ist. Betrachte die Regeln als einen Klettergurt, den Du beim Erklimmen der neuen Sprache zunächst benötigst, der Dir Sicherheit verleiht und später dann zwar noch da ist, aber Du bemerkst ihn gar nicht mehr, weil Du sicher und gefahrlos zu klettern gelernt hast.
Grammatikregeln erscheinen beim Neulernen viel größer und starrer, als sie eigentlich sind, das liegt in der Natur der Sache. Eine lebendige Sprache wird in festen Regeln niedergeschrieben, um sie begreifbar zu machen. Die Regeln sind jedoch nur ein Gerüst, sie sind flexibel und im sprachlichen Alltag bedarf einer Flexibilität, die mit wachsendem Sprachgefühl sicherer und natürlicher wird.

Beste Grüße
Pia und Jochen
manimundo Support Team