Level A2, Lektion 24, Jetzt Du IIIb

Level A2, Lektion 24, Jetzt Du IIIb

by Stefan Buchhofer -
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Liebes Manimundo-Team,

hin und wieder gibt es Sätze, die mehr als eine Bedeutung haben könnten. Beispiel:

"Handy Foto wie? Mein Tante erklären."  Das wird übersetzt mit "ich erkläre meiner Tante..."

Könnte nicht ebenso die Tante das Subjekt sein? (klar dass sie es nicht mir erklärt, denn dann müsste "erklären-mir" gebärdet werden, also in meine Richtung, aber sie könnte es ja irgendwem erklären. Oder müsste "erklären" dann von einer per z-dort verorteten Tante in eine andere Richtung gebärdet werden?)

Warum wird in solchen Fällen oft das "ich" nicht mitgebärdet? Das würde es so viel einfacher machen zu erkennen, wer das Subjekt ist...

Viele Grüße

Stefan

 

In reply to Stefan Buchhofer

Re: Level A2, Lektion 24, Jetzt Du IIIb

by Support manimundo -
Hallo Stefan,

danke für Deine Frage. Die Antwort darauf hat viel mit Sprachökonomie zu tun. Das bedeutet, dass jede Sprache sich natürlicherweise immer so entwickelt, dass sie mit möglichst geringem Aufwand möglichst viel ausdrückt. Sprachökonomie ist ein wesentlicher Faktor des Sprachwandels, also dass Sprachen sich im Laufe der Zeit durch ihre Verwendung verändern und den Bedürfnissen ihrer Nutzer*innen anpassen. Das kann auf Wort-, aber eben auch auf Satzebene zum Vorschein kommen (wenn ich eben „Wortebene“ zum Beispiel nicht ausgeschrieben habe ;-) ).

In dem konkreten Beispiel werden Subjekt und Objekt der Handlung bereits durch andere gebärdensprachliche Mittel festgelegt: Die TANTE wird von der gebärdenden Person aus schon leicht nach rechts gebärdet, wodurch sie dort im Gebärdenraum verortet wird. Direkt im Anschluss macht die gebärdende Person eine Körperdrehung mit den Schultern in die gleiche Richtung; dadurch stellt sie sich im Gebärdenraum der TANTE gegenüber, legt also Subjekt und Objekt fest. Dann richtet sie den Blick in die Richtung der verorteten TANTE und schlüpft damit in die Rolle des Subjekts.
Entscheidend ist dann die Regel, dass in der DGS immer ICH zum Subjekt wird, wenn kein anderes Subjekt genannt wird. Das ist hier der Fall, und das ist das konkrete Beispiel von Sprachökonomie in der DGS.
Anschließend wird dann, wie Du richtig angemerkt hast, ERKLÄREN-ihr und nicht ERKLÄREN-mir gebärdet.

Sicher würde man in der Kommunikation mit Sprachanfänger*innen oder auch in einer sehr formalen Situation im Unterricht eher ICH explizit mitgebärden. Ihr seid hier aber jetzt schon in der Mitte des Levels A2 angelangt, und da wird es Zeit, dass Satzbeispiele usw. langsam von den ganz formalen Regeln weg hin zur natürlichen Sprachverwendung gehen, sodass Ihr Lernenden darauf vorbereitet werdet, in die echte Gebärdensprachwelt da draußen eintauchen zu können ;-)

Ist das etwas verständlicher geworden?

Beste Grüße und viel Spaß weiterhin!
Jochen
manimundo Support-Team